Berg der Finsternis

So, für heute haben wir uns eine relativ kurze Tour vorgenommen. Also ist noch genug Zeit für eine Tour um den See. Ziel der heutigen Etappe ist der Ort Aime bei Bourg St.Maurice. Damit es nicht zu langweilig wird, plant Silke die Route kurzerhand enfach um. Schliesslich wollte sie den Lac du Mont Cenis sehen und der liegt ja quasi auf dem Weg. Die Strecke soll über den Colle delle Finestre gehen. Meine Karten zeigen dort zwar keine Strassen, aber ich lasse mich von Silke überzeugen, da sie die etwas genaueren Karten hat. „Die weissen Strassen sind kleine und die grau eingezeichneten so was wie Schotterpisten – aber die fahren wir nicht.“ so Silke. Also schnell über den Col d’Izoard nach Italien rüber. Und kaum verlassen wir die Hauptstrasse schon finden wir die wohlbekannten winzigen Passstrassen der begnadeten italienischen Strassenbauer. Vermutlich hat sich jemand mit dem LKW auf den Berg gestellt und den Asphalt einfach ins Tal laufen lassen. Wir schrauben uns langsam in die Höhe, hinein in die Wolkenmasse die den Gipfel umgibt. Jetzt wird der Berg ganz schön finster. Irgendwo da oben ist den Italienern der Asphalt ausgegangen. Also weiter auf einer Schotterpiste – bis zum Gipfel kann es ja nicht mehr soo weit sein. Und umkehren werden wir bestimmt nicht. Nach einer gefühlten Stunde auf Schotter (oder war es wirklich eine Stunde ?) erreichen wir tatsächlich den Gipfel. Da oben treffen wir im dichten Nebel auf eine deutsche Gruppe, die den Aufstieg mit ihren Strassenmaschinen von der anderen Seite, von Susa aus, gewagt haben. Die Jungs sind schweissgebadet und vollkommen panisch. Die wollen auf keinen Fall den gleichen Weg zurück nehmen und wenn sie dafür einen Umweg von drei Tagen in Kauf nehmen müssen. Ich denk mir: Kann ja nicht so schlimm sein, also runter nach Susa. Jetzt weiss ich auch warum das da oben so neblig ist – würde man diese „Strassen“ vorher sehen, dann würde keine Sau da hoch oder runter fahren. Die Schotterpiste ist einem weichen, sandigen etwas gewichen. Die Piste gerade einmal breit genug für einen Fiat 500 und Spitzkehren ohne Ende. Das ist definitiv keine Abfahrt für die Krabbelgruppe. Wer hier seinen Bock nicht 100% im Griff hat, der wirft ihn in der ersten Kehre weg und läuft weinend ins Tal! Diese Abfahrt ist wohl nur bedingt für Maschinen mit Strassenbereifung geeignet. Für den nächsten Trip muss ich den Reifenhändler unbedingt fragen, ob es nicht Einwegstollen zum aufkleben gibt! Nach weiteren gefühlten zwei Stunden sind wir dann endlich im Tal und stolz wie Oskar, dass wir diesen Ritt ohne Umfaller überstanden haben. Am Ende des Tages stehen in Aime mehr als 400km auf der Uhr und wir sind einfach nur dankbar für ein gutes Essen, Bier und ein Bett zum erholen.

[mst]

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