Rückblick – Brasilien der unbekannte Süden

Die Voraussetzungen

Das Motorrad Action Team sagt: „Das Motorrad sollte auf asphaltierter Straße sicher beherrscht werden, Schotterpisten und Naturstraßen sollten fahrerisch keine Probleme verursachen

Das ist nun echt keine Untertreibung. Oder anders gesagt: Für diese Tour sollten Anfänger besser zu Hause bleiben.  Es geht ordentlich zur Sache. Die asphaltierten Strecken sind kein Problem – allerdings muss sich der ordentliche deutsche erst einmal an die Gepflogenheiten auf Brasiliens Straßen gewöhnen. Auf den wenigen Schnellstraßen heißt es besser nicht in den Rückspiegel schauen; sonst könnte man ein wenig Panik bekommen wegen der „Crazy Dogs“. Das sind die Jungs die im Feierabendverkehr auf ihren Zweirädern rechts  und links an den Autos vorbeifliegen. Die werden in der Regel nur zum Problem wenn man auf dem Mopped selbst zu langsam und vorsichtig fährt.

Es ist auch nicht ganz verkehrt einen Deckmantel des Schweigens mitzubringen. Zumindest für die Verkehrsschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen, die nie wirklich eingehalten werden können. Wer fährt auch schon mit Tempo 40 auf Landstraßen?

Gruppenkuscheln

Die Gruppe ist wohl mit das wichtigste bei so einer Tour. Passen die Charaktere zusammen? Passt die Geschwindigkeit?

Unser großer Vorteil war, dass die Gruppe relativ klein war. Insgesamt 5 Fahrer + Guide. Alle waren sicher und schnell mit dem Bock unterwegs. Außerdem hatten wir mit Jürgen jemanden, der gerade portugiesisch lernt und sich mit den Einheimischen einigermaßen gut verständigen konnte. Andreas unser sparsamer Schwabe, der immer an alles dachte – und mehr Gepäck dabei hatte als Silke und ich zusammen. Holger, der Entertainer vor dem Herrn und Mauricio der verkappte Saarländer – der Guide aus Brasilien mit einem Händchen für Mensch und Maschine. Kurzum: Vom fahren passte das alles wunderbar zusammen, da wir mehr oder minder auf dem gleichen Niveau waren und abends hatten wir eine Menge Spaß zusammen.

Betreutes Fahren

Auch wenn es etwas despektierlich klingt, aber „Betreutes Fahren“ trifft es doch ziemlich gut. Und was soll ich sagen? Das war wohl die beste Entscheidung die wir treffen konnten. Pauschalreise mit einer guten Fee namens Mauricio, der die Betreuung übernommen hatte.

Und obwohl die XT660 ein echt solides Mopped ist, so ist bei insgesamt 6 Fahrern auf 3.500km doch das eine oder andere Problem zu erwarten.

Egal ob es darum ging Steckverbindungen zu überprüfen, kleine Lecks nach Umfallern auf der Schotterstrasse zu stopfen, Reifen zu wechseln, siffende Lager auszutauschen oder eine abgesprungene Kette wieder neu aufzuziehen. Mauricio hatte sich um diese Themen immer ganz souverän gekümmert. Sogar einen kleinen Taschenwagenheber war in seiner Notfalltasche. Und wenn es denn gar nicht mehr weitergehen sollte, waren auf dieser Tour auch gleich zwei Reservemotorräder mit dabei. Das schafft Sicherheit und wir konnten uns voll und ganz auf die Tour konzentrieren und Brasilien total entspannt genießen.

Die Unterbringung

Mauricio hat es geschafft uns einen tollen Mix aus Hotels und – viel besser – landestypischen Posadas und Fazendas zu organisieren. Das ist quasi „Ferien auf dem Bauernhof“. Als ich das in der Beschreibung gelesen hatte, war ich zunächst skeptisch, aber letztendlich waren die Fazendas und Posadas meiner Meinung nach sogar besser, bzw. angenehmer als die Hotels.

Die Fazendas sind sehr viel privater und wenn man in der richtigen untergebracht ist, muss man noch nicht mal auf den Luxus von Sauna oder Pool verzichten. Aber viel wichtiger als das: Abends wird man sofort mit einer Rutsche Bier oder Caipirinha empfangen. Da kann man den Staub des Tages runterspülen und entspannt in den Abend reingeleiten.

Bioautobahnen

Es sind zwar nur ca. 30% der Strecke als Naturstraße vorgesehen – Holger hat hierfür  den liebevollen Ausdruck Bio-Autobahn geprägt – aber die haben es in sich. Und man darf sich vor Augen führen, dass es sich hierbei um ca. 1000km ordentliche echt brasilianische Bio-Autobahn handelt. Das kann eine befestigte Schotterpiste, rote Sandpiste, ausgewaschene Bergstraßen oder gar eine Flussdurchfahrt auf rutschigem Fels bedeuten. Bio-Autobahn ist eben alles was irgendwie befahrbar und nicht asphaltiert ist.

Highlights

Diese Tour war ein einziges Highlight!

Streckenführung: Kurven satt auf Asphalt. Ein oder zwei Tage um Kilometer zu machen. Aber sonst Kurven, oder noch viel besser: Bio-Autobahn

Von Einheimischen auf einer wilden Schotterpiste mit einer kleinen Straßenmaschine überholt zu werden!

Die Flussdurchfahrt, mit einer teils abenteuerlichen Naturstraße um anzureisen – aber hier gibt es keine anderen Strecken.  Selbst LKWs müssen über den Fluss um zur nächsten Stadt zu gelangen.

Die Fazendas, bei denen der Patron noch selbst am Feuer steht und Picanha zubereitet. Hier lernt man dank Mauricio ein klein wenig die Lebensart der Gauchos kennen.

Der rote Pfad der durch die grüne Höhle führt. Man fährt begleitet von tausenden Schmetterlingen und etlichen Echsen auf der argentinischen Seite zum Foz do Iguazu.

Die Wasserfälle im Foz do Iguazu – ob vom Wasser aus, den Wanderwegen oder aus der Luft – das ist spektakulär. Auch den Vogelpark sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Treze-Tilias (Klein-Österreich), zu Deutsch Dreizehn Linden, mit dem Hotel Tirol mitten in der brasilianischen Einöde

Der Pass bei Lauro Müller – Kurven ohne Ende

Caipirinha als Grundnahrungsmittel – 6 oder 7 Reais für diesen Drink. Teilweise billiger als Bier oder frisch gepresste Säfte!

Fazit

HAMMER!

Ehrlich gesagt: Hätte ich im Vorfeld gewusst, was da Straßentechnisch auf mich zukommt – vermutlich hätte ich nicht gebucht. Zunächst dachte ich Schotter? Jo, das wird ich wohl fahren können. ABER: Das war teils derbe Offroad! Und was soll ich sagen: GEILER GEHT’S NIMMER!

Mauricio hat uns allen die Offroad Tür geöffnet. Und wir sind da voller Freude durch.Eine gewisse Sturzgefahr besteht da immer – aber es macht eine Höllenlaune!

Jeden Tag neue Erfahrungen – bereits zwei Tage in Brasilien haben sich angefühlt wie eine Woche vor Ort.

Ob Wasserfälle bestaunen, Speedboot fahren, Helikkopter fliegen, ein Hütehund der Holger ins Hinterrad beißt – jeder Tag, jede Bio-Autobahn, jeder Kilometer, jedes Staubkorn hat sich gelohnt. Die Tour kostet ihr Geld, aber jeder Euro hat mehr als bezahlt gemacht.

Würde ich wieder buchen? JEDERZEIT!

Der Titel der Reise „Brasilien – der unbekannte Süden“ klingt unspektakulär. Wer von uns kennt schon Florianopolis, Rio Grande do Sul, Lauro Müller? Kein Mensch – aber egal ob Flora, Fauna oder sonst was. Die Reise ist schlichtweg der Hammer. Strassen, die bei uns für Autos, Moppeds und teilweise Fußgänger gesperrt sind, werden dort als reguläre Strassen gekennzeichnet. Teilweise gibt es sogar noch schwingende Hängebrücken, die mit dem Mopped überquert werden können – allerdings nicht auf dieser Tour 🙂

Und natürlich nicht zu vergessen: Mauricio Jose da Silva. Die gute Fee von Brazil Adventure Tours – mit saarländischem Zungenschlag, die diesen Urlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Danke!

2 Gedanken zu “Rückblick – Brasilien der unbekannte Süden”

  1. sososos…war dabei und mitten drin. Als Zeitzeuge, und Umkipper im Fluss, bzw. ‚Verschlafer‘ nach betörenden Getränken…der Wecker tat nicht….aber das glaubte mir niemand’… Die Büse-Runde wurde bezahlt), war das sorry Birgit (Ehefrau) der fast beste Urlaub (außer den Flitterwochen) in meinem doch schon langen Leben.
    …..das Video war erste Sahne.
    Lieben Gruß Andreas

  2. Und Mauricio hat doch vorher noch gesagt: Kein Gas geben kurz vor Schluß – das ist falsch 🙂
    Vor allen Dingen war der Fels im Fluss wie Schmierseife. Hat aber echt Laune gemacht. Deine Caipi Runde haben wir auch gerne angenommen – ob jetzt der Wecker nicht tat, oder er einfach nur zu leise war spielte auch gar keine Rolle.
    In jedem Fall war der Urlaub dank der guten Gruppe – aber vor allen Dingen Dank Mauricio – ein echtes Highlight. Silke und ich sind ja eher Individualtouristen, aber mit so einer Gruppe macht Urlaub eine Höllenlaune.

    Daher auch von mir: „Alle Daumen noch oben – und wir füttern schon wieder unser Sparschwein für die nächste Runde!“

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